3D-Objekte erstellen in Adobe Illustrator

Wusstet ihr, dass auch Illustrator 3D-Funktionen anbietet? Falls nicht, ist dieses Tutorial genau richtig für euch. Gemeinsam werden wir Schritt für Schritt in die 3D-Funktionen von Adobe Illustrator eintauchen und drei verschiedene 3D-Objekte konstruieren. Darunter sind zum einen eine Spielfigur (wie man sie von Mensch ärgere dich nicht kennt), ein voll texturierter Spielewürfel und als kleines Highlight werden wir auch noch Den einen Ring aus Der Herr der Ringe bauen.

Wir empfehlen:
Illustrator-Video-Training - Basics und Tricks

3D-Objekte erstellen

Einleitung:

Schön, dass ihr wieder bei einem meiner Tutorials mit dabei seid. Heute werden wir in die 3D-Welt von Adobe Illustrator eintauchen. Zwar kann man damit keine professionellen 3D-Programme wie z.B. Cinema 4D ersetzen, allerdings lässt sich mit Illustrator schon ganz gut das ein oder andere 3D-Objekt erstellen. Für dieses Tutorial habe ich drei Objekte vorbereitet, die wir gemeinsam Schritt für Schritt erstellen werden. Jetzt aber genug geredet. Legen wir direkt los …

Schritt 1: Spielfigur erstellen

Um direkt in die 3D-Funktion von Adobe Illustrator einzutauchen, werden wir im ersten Schritt eine typische Spielfigur (wie man sie von Mensch ärgere dich nicht kennt) erstellen.

Startet Illustrator, erstellt über Datei>Neu eine neue Zeichenfläche mit den Maßen 140x180mm und bestätigt mit OK.

Damit ihr die Grundform nicht frei aus dem Kopf heraus zeichnen müsst, habe ich euch in die beiliegenden Arbeitsdateien ein Bild von so einer Spielfigur gepackt.

Geht in der oberen Menüleiste auf Datei>Platzieren, wählt euch aus den Arbeitsdateien die Datei “Vorlage.jpg” aus und bestätigt mit einem Klick auf Platzieren.

Mithilfe der Ausrichten-Palette müsst ihr das platzierte Bild auf eurer Arbeitsfläche vermitteln. (Abbildung 03)

Nachdem ihr das Bild mittig platziert habt, blendet ihr euch mit dem Shortcut Command+R (auf PC – Strg+R) die Lineale ein und zieht eine vertikale Hilfslinie direkt in die Mitte eurer Arbeitsfläche, sodass die Spielfigur optisch mittig unterteilt ist. (Abbildung 04)

Da so eine Spielfigur rund ist, reicht es, wenn ihr nur eine Hälfte der äußeren Kontur nachzeichnet. Schnappt euch also das Zeichenstift-Werkzeug aus der Werkzeug-Palette und erstellt einen Pfad wie in Abbildung 05 (hier grün dargestellt). Achtet dabei darauf, dass der Anfangs- und Endpunkt genau auf der Hilfslinie liegen.

Wenn ihr den Pfad zu eurer Zufriedenheit erstellt habt, könnt ihr das Vorlagenbild entweder löschen oder einfach in der Ebenen-Palette ausblenden. Da wir in diesem Tutorial eine rote Spielfigur erstellen wollen, werden wir dem gerade erstellten Pfad eine rote Kontur zuweisen.

Jetzt haben wir soweit schon alles vorbereitet, um den Pfad in ein 3D-Objekt zu verwandeln. Geht dazu in der oberen Menüleiste auf Effekt>3D>Kreiseln …

Daraufhin erscheint ein relativ großes Dialog-Fenster, in dem man noch einige Einstellmöglichkeiten hat.

Aktiviert zuerst einmal die Vorschau im unteren linken Bereich dieses Fensters, damit ihr die Auswirkungen dieses Effekts seht.

Im oberen Bereich (Bereich 1) könnt ihr den Winkel beziehungsweise die Drehung eures 3D-Objekts einstellen. Des Weiteren habt ihr hier einen Parameter für die Perspektive. Das ist eigentlich nichts anderes als die Brennweite bei einem Kamera-Objektiv. Je nachdem, wie ihr diesen Wert verändert, könnt ihr entweder einen weitwinkligen Look oder einen Telezoom-Look erzeugen.

In unteren Bereich (Bereich 2) ist in erster Linie nur der Winkel für euch von Belang. Wollt ihr eine komplette Spielfigur, müsst ihr diesen Winkel auf 360° einstellen. Möchtet ihr aber stattdessen nur eine halbe Spielfigur, könnt ihr den Winkel auf 180° heruntersetzen.

Da man so ein 3D-Objekt in der Regel auch beleuchten will, kann man im unteren Bereich des Dialog-Fensters auf Mehr Optionen klicken. Daraufhin klappt sich das Fenster nach unten hin auf und ermöglicht das Einstellen von einer oder mehreren Lichtquellen (die allerdings nur auf das 3D-Objekt wirken).

Die ersten drei Menü-Befehle wie z.B. Lichtintensität, Umgebungslicht und Spitzlichtintensität erklären sich ja fast von selbst.

Interessant wird es wieder bei den Angleichungsstufen. Hiermit sind die 256 möglichen Tonwerte gemeint, die im RGB-Farbraum zur Verfügung stehen. Setzt man diese Tonwerte auf einen relativ geringen Wert, wird das Glanzlicht recht grob und mit unschönen Farbabrissen auf das 3D-Objekt projiziert. Dadurch hat man aber den Vorteil, dass Illustrator das Ganze schneller berechnen kann. Setzt man diesen Wert auf das Maximum, also auf die 256 Tonwerte, werden alle zur Verfügung stehenden Farbabstufungen verwendet. Das hat zur Folge, dass das Glanzlicht mit einer hohen Qualität auf das 3D-Objekt projiziert wird. Allerdings kann dadurch je nach Rechnerleistung die Berechnung von Illustrator etwas länger dauern.

Wenn ihr mit euren Einstellungen zufrieden seid, müsst ihr das Ganze nur noch mit OK bestätigen. Fertig ist eure Spielfigur.

Mini-Tipp:

Solltet ihr nach dem Bestätigen feststellen, dass ihr eure Einstellungen doch einmal verändern wollt, müsst ihr nichts weiter tun als eure Spielfigur auszuwählen und in der Aussehen-Palette auf den 3D-Kreiseln-Effekt zu klicken. Daraufhin öffnet sich wieder das Dialog-Fenster, in dem ihr die 3D-Einstellungen vornehmen könnt.

Um noch etwas Feintuning zu betreiben, schnappt ihr euch jetzt das Ellipse-Werkzeug und zieht eine Ellipse ungefähr in der Größe des unteren Bereichs eurer Spielfigur auf. (Siehe Abbildung 10)

Setzt diese Ellipse in der Ebenen-Palette hinter eure Spielfigur und geht dann auf Effekt>Weichzeichnungsfilter>Gaußscher Weichzeichner. Gebt im folgenden Fenster einen Wert um die 20 Pixel ein und bestätigt mit OK. Jetzt habt ihr so eine Art Schatten erstellt und eure Spielfigur wirkt noch einmal etwas dreidimensionaler.

Schritt 2: Würfel erstellen

Nachdem ihr jetzt in Schritt 1 eine 3D-Spielfigur erstellt habt, ist es nun Zeit für ein weiteres 3D-Objekt. In diesem Abschnitt des Tutorials werden wir einen voll texturierten Spielewürfel erstellen.

Erstellt euch zu Beginn wieder eine neue Arbeitsfläche über Datei>Neu im Format DIN A3 im Querformat. Schnappt euch danach das Rechteck-Werkzeug und klickt dann einmal auf eure Arbeitsfläche, damit ein Fenster erscheint, in dem ihr die Größe eures Rechtecks eintragen könnt. Wählt hier eine Größe von 52x52mm und bestätigt mit OK.

Gebt diesem Rechteck eine schwarze Kontur und erstellt eine weiße Flächenfüllung, falls keine vorhanden sein sollte. Dupliziert euch dieses Rechteck fünfmal und ordnet die Rechtecke nebeneinander an. (Abbildung 13)

Nehmt euch jetzt das Ellipse-Werkzeug und klickt wieder auf eure Arbeitsfläche. Gebt dieser Ellipse eine Größe von 9,7×9,7mm.

Dupliziert diese Ellipse und ordnet diese so an, dass ihr die typischen Seiten eines Spielwürfels erhaltet. (Siehe Abbildung 15)

Mini-Tipp:

Aktiviert euch hierfür die Intelligenten Hilfslinien über Command+U bzw. Strg+U, um diese Aufgabe leichter meistern zu können.

Nachdem ihr alle sechs Seiten eines Würfel erstellt habt, könnt ihr die schwarzen Konturen der Rechtecke entfernen, sodass diese nur noch für Illustrator, nicht aber für das menschliche Auge sichtbar sind. Danach markiert ihr euch immer eine Würfelfläche und gruppiert diese mit Command bzw. Strg+G. Danach solltet ihr sechs Gruppen in eurer Ebenen-Palette haben.

Als Nächstes benötigt ihr die Symbole-Palette. Diese findet ihr unter Fenster>Symbole.

Wählt euch jetzt die erste Gruppe aus und klickt dann in der Symbole-Palette auf den kleinen Pfeil in der rechten oberen Ecke. Daraufhin erscheint ein Dropdown-Menü, in dem ihr auf Neues Symbol erstellen klicken müsst. Ihr könnt jetzt noch einen Namen für euer neues Symbol vergeben.

Nachdem ihr das mit allen Gruppen gemacht habt, solltet ihr sechs neue Symbole in eurer Symbole-Palette haben. (Abbildung 19)

Jetzt, wo ihr alle Texturen als Symbol abgespeichert habt, könnt ihr euch daran machen, den passenden Würfel zu erstellen. Schnappt euch hierfür das Rechteck-Werkzeug und klickt damit auf eure Arbeitsfläche. Wählt bei der Breite und Höhe einen Wert von 100mm und bestätigt mit OK.

Gebt diesem Rechteck eine weiße Flächenfarbe. Eine Kontur braucht ihr nicht.

Um aus diesem Rechteck einen Würfel zu erstellen, geht ihr auf Effekt>3D>Extrudieren und abgeflachte Kante …

Wenn ihr diesen Effekt ausgewählt habt, kommt wieder das alt bekannte Dialogfeld, in dem ihr alle Einstellungen für euer 3D-Objekt einstellen könnt. Bei den Winkeln, die die Drehung des Würfels bestimmt, könnt ihr eine beliebige Einstellung wählen. (Meine Einstellungen seht ihr auf dem nächsten Screenshot). Da ihr ja einen Würfel erstellen wollt, müssen natürlich alle Seiten des Würfels die gleiche Größe haben. Gebt daher bei der Tiefe der Extrusion einen Wert von 100mm ein. Illustrator rechnet euch das Ganze in die Maßeinheit pt um.

Um diesen Würfel jetzt zu texturieren, müsst ihr im unteren Bereich dieses Dialog-Fensters auf Bildmaterial zuweisen klicken. (Abbildung 23)

Im darauf folgenden Fenster habt ihr nun die Möglichkeit, jede Seite des Würfels einzeln zu texturieren. Bereich 1 (Abbildung 24) ermöglicht es euch, die jeweilige Seitenfläche des Würfels auszuwählen. Da ein Würfel bekanntlich 6 Seitenteile hat, könnt ihr hier zwischen den Werten 1-6 auf und ab navigieren. In Bereich 2 (Abbildung 24) könnt ihr die jeweilige Textur bzw. das vorher angelegte Symbol auswählen.

Um den Würfel jetzt zu texturieren, müsst ihr nun jeder Seitenfläche des Würfels eines eurer sechs angelegten Symbole zuordnen. Damit die Symbole die Würfelfläche auch wirklich voll ausfüllen, könnt ihr auf Seitengröße skalieren klicken. (Abbildung 25)

Wenn ihr den Würfel texturiert habt, könnt ihr das Fenster mit OK bestätigen. Fertig ist euer Spielewürfel.

Zum Schluss könnt ihr eurem Würfel noch einen leichten Schlagschatten hinzufügen. Das macht ihr einfach wieder über Effekt>Stilisierungsfilter>Schlagschatten … in der oberen Menüleiste.

Schritt 3: Bonus Content – Der eine Ring

Da ich persönlich ein sehr großer Herr-der-Ringe-Fan bin, habe ich mir gedacht, ich könnte als kleinen Bonus erklären, wie man Den einen Ring in Illustrator erstellen kann. Da auch hierbei die 3D-Funktionen zum Einsatz kommen, passt das Ganze ja auch sehr gut zum heutigen Thema. Und ich bin mir sicher, dass unter euch auch einige Herr-der-Ringe-Fans sind. Legen wir also direkt los …

Erstellt euch als Allererstes wieder eine neue Arbeitsfläche. Ein Format von DIN A3 im Querformat sollte dafür locker ausreichen.

Danach braucht ihr das Ellipse-Werkzeug aus der Werkzeug-Palette. Klickt damit auf eure Arbeitsfläche, wählt eine Größe von 17x17mm und bestätigt mit OK.

Danach schnappt ihr euch das Rechteck-Werkzeug und erstellt ein Rechteck mit den Maßen 8,5x17mm. Positioniert dieses Rechteck so, dass die eine Hälfte des Kreises komplett überdeckt wird. (Abbildung 28)

Markiert alles mit Command+A (auf PC – Strg+A) und zieht das Rechteck mithilfe des Pathfinders ab, sodass nur noch ein Halbkreis übrig bleibt. (Abbildung 29)

Gebt dem Halbkreis eine goldene Flächenfarbe. Ich habe mir hierbei für folgenden CMYK-Farbwert entschieden: CMYK – 0/28/95/0.

Geht jetzt auf Effekt>3D>Kreiseln … Im folgenden Fenster könnt ihr, wie schon gewohnt, eure Einstellungen treffen. Meine Einstellungen für diesen Ring könnt ihr auf Abbildung 31 sehen. Bestätigt danach mit OK.

Damit aus diesem normalen Goldring jetzt Der eine Ring wird, müsst ihr jetzt noch die typische Beschriftung aufbringen. In den beiliegenden Arbeitsdateien findet ihr eine Datei mit dem Namen: “Beschriftung.ai”. Platziert diese Datei über Datei>Platzieren auf eurer Arbeitsfläche.

Wenn ihr den Schriftzug platziert habt, müsst ihr wie in Schritt 2 mit der Hilfe der Symbole-Palette ein Symbol mit dem Schriftzug anlegen.

Klickt jetzt wieder auf euren Ring und öffnet den 3D-Kreiseln-Effekt erneut (ihr findet diesen in der Aussehen-Palette).

Klickt in diesem Dialogfeld auf Bildmaterial zuweisen …

Im folgenden Fenster könnt ihr nun den Schriftzug bzw. das gerade erstellte Symbol zuweisen. (Abbildung 33)

Bestätigt mit OK. Jetzt sollte euer Ring in etwa so aussehen (Abbildung 34):

Fertig ist Der eine Ring:

Schlussworte:

Und wieder einmal sind wir am Ende eines Tutorials angelangt. Ich hoffe, dass es euch Spaß gemacht hat und ihr das ein oder andere lernen konntet. Sollten noch irgendwelche Fragen zum Thema auftreten, könnt ihr mir diese gerne als Kommentar unter dieses Tutorial schreiben. Ich werde mich bemühen, diese so zeitnah wie möglich zu beantworten.

Euer Julian

Mediengestalter und Trainer: Julian Rohm

Wir empfehlen:
InDesign-Video-Training - Moderne Praxis

Unsere Empfehlung für dich

Illustrator für Einsteiger & Aufsteiger

Illustrator für Einsteiger & Aufsteiger

Einsteigen in die große Welt der Vektoren war noch nie so einfach. In über 5 Stunden Videomaterial erfährst du alles über das Arbeiten mit Adobe Illustrator CC.

  • Grundlegende Funktionen, Werkzeuge und Bedienfelder ausführlich erklärt
  • Zahlreiche Praxisbeispiele zur Erstellung von Effekten mit allerhand Tipps und Tricks
  • Bonus-Kapitel mit speziellen Anwendungsgebieten von Adobe Illustrator

Zum Training