Adobe Illustrator – Grundlagen – OpenType, Glyphen und Satz- und Sonderzeichen

OpenType-Schriftarten haben mehr als 256 Zeichen. Welche Vorteile diese noch bieten, wird hier erklärt. Außerdem werden die Vorteile des Glyphen-Bedienfeldes aufgezeigt und die Funktion “Satz- und Sonderzeichen”.

OpenType-Schriften haben viele Vorteile:

– Schriftdatei ist für Windows und Mac identisch und es gibt somit keine Schriftersetzungen bzw. Textumbruchprobleme.

– OpenType-Schriften können Ligaturen und Schwungschriften enthalten.

– Es können automatisch alternative Schriftzeichen (Ligaturen, Brüche, Kapitälchen) ersetzt werden.

– Sie können mehr als 256 Zeichen enthalten.

OpenType-Schriftarten werden mit dem O-Symbol angezeigt.

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Adobe kennzeichnet Schriftarten, die einen erweiterten Zeichensatz haben, mit dem Wort Pro, z. B. Myriad Pro.

 

Zunächst muss ich, um alle Zeichen zu sehen, das OpenType-Bedienfeld einblenden. Am einfachsten geht das, wenn ich mir die Arbeitsumgebung Typografie aktiviere.

 

Darin habe ich Möglichkeiten, alternative Zeichen in OpenType-Schriftarten zu verwenden. Folgende Funktionen bietet mir das OpenType-Bedienfeld:

1. Zahl:

Eine Auflistung von Alternativen für die Darstellung von Ziffern, Zahlen, Mediäval- und Tabellenziffern.

Standardzahl: Verwendet den Standardstil für die aktuelle Schriftart.

Versalziffern für Tabellen: Verwendet Ziffern in voller Höhe und einheitlicher Breite (sofern in der aktuellen Schriftart verfügbar). Diese Option ist sinnvoll, wenn die Ziffern über mehrere Zeilen hinweg in einer Linie ausgerichtet sein sollen wie etwa in Tabellen.

Proportionale Versalziffern: Verwendet Ziffern in voller Höhe, aber mit unterschiedlicher Breite (sofern in der aktuellen Schriftart verfügbar). Diese Option wird für Text in Großbuchstaben empfohlen.

Proportionale Mediävalziffern: Verwendet Ziffern mit unterschiedlicher Höhe und Breite (sofern in der aktuellen Schriftart verfügbar). Diese Option empfiehlt sich für ein klassisches, anspruchsvolles Schriftbild bei Text, der keine Wörter in Großbuchstaben enthält.

Mediävalziffern für Tabellen: Verwendet Ziffern mit unterschiedlicher Höhe, aber einheitlicher Breite (sofern in der aktuellen Schriftart verfügbar). Diese Option empfiehlt sich, wenn das klassische Schriftbild von Mediävalziffern erwünscht ist, aber die Ziffern trotzdem in Spalten bündig untereinander ausgerichtet werden sollen, etwa bei Jahresberichten.

 

2. Position Z. B. hochgestellt (es werden extra dafür angelegte Zeichen verwendet, nicht einfach nur berechnete). Jedoch bieten nicht alle OpenType-Schriftarten diese Funktion an. In meinem Beispiel enthält die Schriftart Eurostile das nicht, jedoch Eurostile LT Std:

 

3. Standardligaturen Als Ligatur bezeichnet man die Verbindung von mindestens zwei Buchstaben zu einer Einheit. Es werden keine Ligaturen bei verbundenen Wortteilen benutzt (wie bei Gasthof => keine th-Ligatur, aber dafür eine st-Ligatur).

4. Kontextbedingte Varianten

Eher für ausländische Texte interessant

 

5. Bedingte Ligaturen Diese sind ermessensabhängige Ligaturen (wie ft, ffl, Th, st).

 

6. Schwungschrift

 

7. Formatvarianten

 

8. Titelschriftvarianten Liegt nur in wenigen OpenType-Schriftarten vor – verwendet nur Versalbuchstaben.

9. Ordinalzeichen

Kommen oft in anderen Sprachen wie englisch 2nd vor. Aber auch das männliche oder weibliche Symbol bzw. das Copyright-Zeichen usw. sind Ordinalzeichen.

 

10. Brüche
Als gutes Beispiel für eine OpenType-Schriftart nehme ich Bickham Script Pro. Wenn ich jetzt das Wort Illustratorworkshop schreibe und dann auf Kontextbedingte Variante klicke, sieht man schon erhebliche Veränderungen. Auch bedingte Ligaturen sowie Schwungschrift wirken sich aus. Richtig gewaltige Unterschiede gibt es, wenn ich Formatvariante auswähle.

 

Glyphen-Bedienfeld

Um mir alle verfügbaren Schriftzeichen anzeigen zu lassen, blende ich das Bedienfeld Glyphen ein. Es befindet sich im Menü unter Schrift>Glyphen. Zwar lassen sich einige auch per Tastaturkürzel aufrufen, doch wer kann sich schon alle Kürzel merken? Außerdem ist bei Schriftarten mit Ornamenten bzw. Symbolen eine komplette grafische Übersicht sehr sinnvoll.

 

Richtig toll finde ich in diesem Bedienfeld, dass ich mir für einen ausgewählten Buchstaben alle alternativen Zeichen einblenden lassen kann. Manche OpenType-Schriftarten haben nämlich mehrere Varianten zur Auswahl. Sind tatsächlich mehrere Zeichen für einen Buchstaben vorhanden, ist im Buchstaben ganz klein unten rechts jeweils ein kleines Dreieck zu sehen.

 

Möchte ich sofort alle alternativen Zeichen für die aktuelle Auswahl angezeigt haben, klicke ich oben im Bedienfeld im Menü Einblenden die Option Alternativen für aktuelle Auswahl.

 

Unten rechts habe ich auch die Möglichkeit, die Zeichen größer darstellen zu lassen.

 

Um ein Zeichen aus dem Glyphen-Bedienfeld zu verwenden, klicke ich auf das Zeichen doppelt.

Ein gutes Beispiel ist auch die Verwendung von Zoll-Zeichen, besser bekannt als Gänsefüßchen. Hier lassen sich schnell alternative Zoll-Zeichen einstellen, wenn ich das speziell nur für den einen Fall haben möchte.

 

Ansonsten sollte das in den Dokumenteinstellungen eingerichtet werden (Datei>Dokument einrichten).

 

Am meisten nutze ich jedoch das Glyphen-Bedienfeld, um schnell z. B. Copyright-Zeichen einzufügen:

 

… oder mir vor allem die Webdings-Zeichen anzeigen zu lassen:


… wobei ein Blick in Wingdings 2 und 3 auch empfehlenswert ist.

 

Satz- und Sonderzeichen

Eine wunderbare Funktion, um Texte, die nicht über typografische Satzzeichen verfügen, mit einem Klick nachträglich automatisch mit typografischen Sonderzeichen auszustatten. Dazu klicke ich im Menü>Schrift>Satz/Sonderzeichen.

 

ff, fi, ffi Ligaturen und auch ff,fl,ffl Ligaturen: Kommen diese Buchstabenkombinationen in meinem Text vor, werden sie von Illustrator mit entsprechenden Ligaturen ersetzt. Allerdings gibt es in der deutschen Sprache zahlreiche Ausnahmen, die Illustrator jedoch nicht berücksichtigt.

Typografische Anführungszeichen: Enthält mein Text Zoll-Zeichen, werden diese in Anführungszeichen umgewandelt. Leider berücksichtigt Illustrator die Einstellungen, die ich unter Menü>Datei>Dokument einrichten für den Anführungszeichenumgang definiert habe, nicht. Somit werden alle Zoll-Zeichen in angelsächsische Anführungszeichen umgewandelt.

Einfache Leerzeichen: Diese Funktion lohnt sich zu aktivieren, denn hier werden mehrere vorhandene Leerzeichen, die sich nach einem Punkt befinden, durch ein Leerzeichen ersetzt.

Geviert-, Halbgeviertstriche: Zwei Bindestriche werden in einen Halbgeviertstrich umgewandelt. Drei Bindestriche werden in einen Geviertstrich umgewandelt.

Auslassungspunkte: Diese Funktion ersetzt die Punkte durch ein Auslassungszeichen.

Bruchzahlen: Wenn mein Text Brüche enthält, die jedoch nur durch einen simplen Schrägstrich aufgeführt sind, werden diese, sofern vorhanden, durch entsprechende Bruchzeichen ersetzt.

Ersetzen im: Die Optionen sind selbsterklärend: Entweder ich habe einen Text ausgewählt und nur dieser soll bearbeitet werden, oder das gesamte Dokument soll durch die Satz- und Sonderzeichenfunktion bearbeitet werden.

Änderungen auflisten: Meine Empfehlung: Häkchen drinlassen. Denn nur so zeigt mir Illustrator auch nach der Durchführung alle Änderungen in einem Dialog an.

Das Video zu diesem Tutorial findest Du hier.

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