Adobe Illustrator – Grundlagen: Umgang mit Kalligrafie-, Bild-, Muster- und Spezialpinsel

In diesem Tutorial wird der Umgang mit allen 4 verschiedenen Pinselarten genauestens gezeigt: Kalligrafie-, Bild-, Muster- und Spezialpinsel. Außerdem wird erklärt, wie neue Pinsel erstellt werden.

Damit ich überhaupt mit meinen Pinsel arbeiten kann, muss ich das Pinsel-Bedienfeld aufrufen:

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Kalligrafiepinsel

Die Kalligrafiepinsel basieren immer auf einer runden Form. Mit diesem Pinsel erstelle ich Linien in unterschiedlichen Stärken, die ich durch verschiedene Parameter beeinflussen kann. Also ganz plump ausgedrückt: Kalligrafiepinsel verformen meine Linien in mal schmalere und mal breitere Stellen.

 

Im Pinselbedienfeld sollten schon standardmäßig Kalligrafiepinsel vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, kann ich weitere in den Pinsel-Bibliotheken hinzufügen (Künstlerisch>Kalligrafisch).

 

Kalligrafiepinsel sind sehr vorteilhaft, wenn ein Grafiktablett angeschlossen ist, weil dieses dann die Neigung, Winkel und Druck entsprechend auf den Pfad speichert und darstellt. Sollen nur Kalligrafiepinsel angezeigt werden, kann dies im Pinsel-Bedienfeld aktiviert werden.

 

Möchte ich die Einstellungen eines Kalligrafiepinsel ändern, klicke ich doppelt auf den Pinsel im Pinselbedienfeld (nicht im Bedienfeld Kalligrafisch). Darin habe ich jetzt diverse Einstellungsmöglichkeiten:

 

Name: Hier kann ich dem Pinsel einen aussagekräftigen Namen geben.

Pinselspitzenvorschaubild: Hier kann ich direkt an den schwarzen Punkten die Form ändern.

Winkel: Hier definiere ich den Winkel des Kalligrafiepinsels. Dieser Wert verändert die Konturstärke, jedoch nur, wenn die Spitze nicht rund eingestellt ist.

Rundheit: Hier stelle ich ein, ob der Pinsel ein Kreis oder eher ein flaches Oval sein soll. Ist die Rundheit vollkommen (100%), dann ändert sich die Konturstärke nicht.

Durchmesser: Hier stelle ich den Pinseldurchmesser ein. Auch hier ist es wieder vorteilhaft, wenn ein Grafiktablett angeschlossen ist. Stelle ich im Steuerungsbedienfeld eine höhere Stärke ein, wirkt sich das zusätzlich auf die Breite der Kontur aus.

Variation: Hier kann ich definieren, wie viel Einfluss meine Stiftführung vom Grafiktablett hat. Sollte ich nur eine Maus angeschlossen haben, variieren Winkel, Rundheit und Durchmesser nicht.

Folgende Optionen stehen mir bei Durchmesser, Rundheit und Winkel zur Verfügung:

Fixiert: Ist diese Option eingestellt, werden willkürliche Einflüsse unterbunden. Die Kontur wird keine unterschiedlichen Eigenschaften besitzen.

Zufallswert: Illustrator legt zufällige Werte beim Zeichnen fest. ABER: Erst, nachdem ich den Stift wieder neu ansetze, wird ein neuer zufälliger Wert eingestellt.

Druck: Diese Option ist nur für Grafiktablett-Benutzer von Interesse. Je kräftiger ich mit dem Zeichenstift auf dem Grafiktablett aufdrücke, desto größer wird die Pinselspitze. Eine gefederte Mine ist dabei von Vorteil (für WACOM erhältlich).

Stylus-Rad: Nur für WACOM Airbrush interessant. Durch Drehung des Reglers kann die Pinseleigenschaft verändert werden (ähnlich dem Scrollrad der Maus).

Neigung: Wie der Name es schon sagt, kann durch Neigung des Grafiktablett-Stiftes die Pinselstricheigenschaft verändert werden.

Ortung: Ermöglicht ein Variieren des Durchmessers, der Rundheit oder des Winkels entsprechend dem von mir auf den Zeichenstift ausgeübten Druck.

Drehung: Ermöglicht ein Variieren des Winkels, der Rundheit oder des Durchmessers entsprechend der Drehung des Zeichenstifts. Diese Funktion unterstützen nur die wenigsten Zeichenstifte eines Grafiktabletts (z. B. WACOM ArtMarker).

 

Genug der Theorie: Habe ich ein Bild mit entsprechend vielen Linien erstellt, kann ich diese alle markieren und dann durch einen Klick auf einen Kalligrafiepinsel meiner Wahl ändern. Dabei gibt es kleine und größere schon von Haus aus. Bei einem sehr dicken sieht man vielleicht die tolle unterschiedliche Form durch die diversen Einstellungen nicht. Aber ich kann durch Doppelklick auch vorhandene Pinsel ändern, und alle damit gefüllten Konturen werden dann entsprechend aktualisiert.

 

TIPP: Die Kontur im Steuerungsbedienfeld sollte von 1 pt nicht verändert werden, weil sich sonst die Größen nicht gerade leicht berechnen lassen, die im Kalligrafie-Optionsdialog eingestellt wurden.

 

Bildpinsel

Ein Bildpinsel ist im Grunde nichts anderes als ein Bild, welches der Länge entsprechend auf die Linie aufgetragen wird. Ein schöner Bildpinsel von Adobe Illustrator ist der Kohle-Pinsel. Die Linien sehen dann wirklich so aus, als hätte ich diese mit einem Kohlestift gezeichnet.

 

Klicke ich auf einen Pinsel aus einer Pinselbibliothek, wird dieser dem Pinselbedienfeld hinzugefügt und vergrößert die Dateigröße. Ich habe es mir dann zu Angewohnheit gemacht, die Pinsel, die nicht im Dokument gebraucht wurden, zu löschen, sobald ich mit meinem Werk fertig geworden bin.

In den Bildpinsel-Optionen habe ich mal wieder die Möglichkeit, diesen Pinsel in seinen Eigenschaften zu verändern. Jedoch sind diese Optionen nicht so reichhaltig wie beim Kalligrafiepinsel.

 

Breite: Hier kann ich, wie der Name es schon erahnen lässt, die Breite des Pinsels verändern. 200% würde den Pinsel dabei doppelt so dick erscheinen lassen.

Proportional: Verändere ich die Breiteeigenschaft, so kann ich mit dieser Option sicherstellen, dass dies proportional geschieht.

Richtung: Bestimmt die Richtung des Bildmaterials im Verhältnis zur Linie.

Vertikal spiegeln, Horizontal spiegeln: Ändert die Richtung der Grafik.

Einfärben: Je nachdem, welche Konturfarbe eingestellt ist, kann ich das Objekt auch einfärben lassen.

In CS4 gibt es unter anderem neue Bildpinsel wie z. B. Satz elegant geschweifte und Blumenpinsel. Diese lassen sich gut auch auf gebogene Linien auftragen. Auch Vektorpakete mit dem Handgemalte Pinsel Vektorpaket und Schmutzpinsel Vektorpaket. Einfach ausprobieren und in den nächsten Illustrationen einsetzen. Das spart so manches Mal viel Zeit.

 

TIPP: Möchte ich nicht gleich den kompletten Pinsel verändern, sondern nur das ausgewählte Objekt, so kann ich im Pinsel-Bedienfeld folgende Option auswählen: Option für ausgewähltes Objekt. Auch hier gibt es dann wieder die Möglichkeit, den Bildpinsel proportional zu aktivieren. Wenn diese Option aktiviert ist, so wird der Bildpinsel auf einer nicht geraden Linie nicht verbogen, sondern nur entsprechend den Proportionen skaliert.

 

Und so erstelle ich einen eigenen Bildpinsel:

Zunächst baue ich mir ein Objekt meiner Wahl. Ich mache es mir diesmal schön einfach und nehme dazu das Stern-Werkzeug:

 

Jetzt klicke ich auf das Neu-Symbol und klicke im Dialog auf Neu>Bildpinsel. Danach gebe ich dem Pinsel einen Namen und klicke auf OK:

 

Und schon kann ich damit herummalen:

 

Spezialpinsel

In der Pinsel-Bibliothek Dekorativ Streuung gibt es viele Beispiele für Spezialpinsel. Diese können mehrere Eigenschaften wie Streuung, Effekte und Transparenzen beinhalten.

 

Per Doppelklick auf den Spezialpinsel im Pinsel-Bedienfeld kann ich diverse Optionen ändern:

 

Die Herzen sind aber auch nicht schlecht. Ein Klick reicht, und schon sieht mein Rahmen so aus:

 

Und so erstelle ich schnell einen eigenen Spezialpinsel: Ich erstelle zunächst ein Objekt, oder wenn ich ganz faul bin, dann nehme ich ein Symbol aus dem Symbol-Bedienfeld. Das wähle ich dann als neuen Spezialpinsel (dazu im Pinsel-Bedienfeld einfach auf das Neu-Symbol klicken und dann im Dialog Spezialpinsel auswählen).

 

Jetzt wähle ich z. B. eine Ellipse aus und klicke dann auf meinen neuen Spezialpinsel. Schon habe ich um die Ellipse herum meinen Spezialpinsel, der sich sehr oft wiederholt. Damit dies noch besser aussieht, kann ich durch Doppelklick im Pinsel-Bedienfeld auf den Spezialpinsel die Optionen einsehen und z. B. bei Größe Zufallswert einstellen. Die Schieberegler sorgen für eine Mindest- und Maximalgröße. Auch interessant sind die Optionen Abstand, Streuung und Drehung. Damit lassen sich schnell individuelle Kreationen erschaffen.

 

Ich kann den Spezial-Pinsel auch auf einer fertigen Form anwenden. Dazu ziehe ich z. B. das Sternwerkzeug auf und klicke dann meinen Stern-Spezial-Pinsel an:


Großer Vorteil dabei ist, dass ich den eigentlichen Spezialpinsel jederzeit bearbeiten kann. Dazu ziehe ich den Pinsel per Drag&Drop raus auf meine Zeichenfläche und bearbeite ihn dann. Möchte ich dann die Veränderung in den aktuellen Spezialpinsel gespeichert haben, ziehe ich ihn von der Zeichenfläche mit gedrückter Alt-Taste auf meinen Spezialpinsel im Pinsel-Bedienfeld.

 

Musterpinsel

Mit Musterpinseln kann ich auf sehr schnelle Weise tolle Rahmen erstellen. Im Pinsel-Bedienfeld>Bibliotheken finde ich weitere tolle Musterpinsel unter Umrandungen.

 

Es gibt zahlreiche fertige Musterpinsel. Einfach mal mehrere ausprobieren:

 

Und so erstelle ich einen neuen Musterpinsel: Das Objekt, welches ich erstellt habe, markieren und dann im Pinsel-Bedienfeld auf das Neu-Symbol klicken. Im folgenden Dialog bestätige ich, dass es sich um einen Musterpinsel handelt.

 

Als Nächstes vergebe ich einen Namen. Das erste Symbol rechts ist für die geraden Linien. Dieses wird auch standardmäßig von Illustrator mit dem markierten Objekt gefüllt. Jetzt klicke ich auf OK und kann dann einen Rahmen damit umranden.

 

Leider sind jetzt die Ecken noch nicht gefüllt.

 

Dazu kann ich das Objekt z. B. um 45° drehen und dann mit gedrückter Maustaste auf meinen Musterpinsel ziehen (im vordersten leeren Kästchen). Wie das aussieht, wenn das Herz nicht gedreht ist und als Ecke fungiert, sieht man hier:

 

Illustrator füllt jetzt das zweite Symbol, welches für die äußeren Ecken steht.

 

Jetzt ist die Ecke mit meinem gedrehten Herz gefüllt. Sieht doch gleich viel besser aus. Die anderen Felder kann ich nutzen, wenn mein Objekt nicht geschlossen ist, damit es ein anderes Anfangs- und Endobjekt bekommt (z. B. gut zu sehen beim Roter Pfeilpinsel-Musterpinsel).

 

Die Option Einpassen bietet mir weitere nützliche Einstellungsmöglichkeiten:

 

Auf Kantenlänge anpassen: Ist dies eingestellt, wird das Musterobjekt unter Umständen in seiner Form leicht geändert (breiter oder schmaler), damit es auch um das Objekt gut eingepasst ist und die Ecke sauber gefüllt werden kann.

Freiraum einfügen: Ist diese Option aktiviert, werden die Musterobjekte nicht in der Form verändert, sondern es wird entsprechend Freiraum eingefügt, damit genug Platz für die Ecke da•  ist.

Musterposition ändern: Hier wird die Breite des Rahmens entsprechend geändert, sodass die Ecke mit einem Eckenmuster gefüllt werden kann.

Es gibt auch Musterpinsel, deren Ende sich vom Anfang unterscheidet (nur für nicht geschlossene Pfade):

 

Die kann man natürlich auch selber erstellen. Als kleines Beispiel dazu lege ich für meinen Herzenmusterpinsel die zwei entsprechenden Felder an (dabei dient mir der Pfeilmusterpinsel als gute Vorlage: So weiß ich genau, welches Feld für Anfang und welches für Ende steht):

 

Ich kann auch aus vorhandenen Einladungskarten schnell schöne Musterpinsel erstellen. Hier dient mir eine Einladung, die ich vor zwei Jahren erstellt habe, als Vorlage:

 

Ich benötige nur die Noten und den Notenschlüssel:

 

Ergebnis sieht dann wie folgt aus:

 

Ich kann auch den Notenschlüssel weglassen, weil er mir doch nicht so gefällt:

Das Video zum Tutorial findest Du hier.

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